Cloud Computing überzieht die Wirtschaft mit flexiblen IT-Diensten. Welche Gründe dafür sprechen. Experten und Dienstleister der zweiten Cloud-Generation im Gespräch. Nach der Steinzeit kam der Hype um Kupfer und schließlich setzte sich Eisen am weltweiten Markt durch. So ähnlich könnte es damals zugegangen sein − wenn auch in größeren Zeiträumen, als sich in nur einem Satz beschreiben lässt. Die Steine, das waren in der Informationstechnologie vor zehn bis 15 Jahren noch verstreute Softwareinstallationen und Geräteparks in den Unternehmen, die nicht nur teuer erworben, sondern auch ständig gewartet werden mussten. Die Krux dabei: Je länger IT-Equipment eingesetzt wurde, desto fehleranfälliger und schwerfälliger erwiesen sich die Lösungen. Dem kurzen Aufflackern flexiblerer Abrechnungsmodelle über sogenanntes Application-Service-Providing folgte nicht die erhoffte Revolution. IT-Kunden mussten sich bis zum jüngsten Hype rund um Cloud-Computing gedulden. IT-Services und Ressourcen aus der Wolke können nun endlich das einhalten, was die Branche den Unternehmen seit Jahrzehnten verspricht: Einfachheit. Flexibilität. Kostenwahrheit.Ein vielleicht archetypischer Vertreter dieser neuen IT-Service-Generation ist gerade einmal einen Monat jung. Im März startete der Cloudanbieter und Berater Amaris am heimischen Markt. In einem Management-Buy-out aus dem IT-Konzern Thales hervorgegangen, setzen die Geschäftsführer Reinhard Wachmann und Arthur de Pauw voll auf den Trend zur Wolke. Dass dabei Cloud Computing mehr eine Gangart als ein fixfertiges Produkt ist, beweist die Struktur und Herkunft der Servicepalette der beiden Experten. Damals, bei Thales, hieß das IT-Geschäft noch Outsourcing. Den Kunden wurden Software- und Hardwareleistungen quasi über eine manuell bedienbare private Wolke erbracht. Mit flexibleren IT-Plattformen – Storage von EMC, Cloudplattform und Virtualisierung by VMware, Unified-Communication-Features made in Cisco. Aufgesetzt auf die zweite Generation an Plattformen und Werkzeugen für die Cloud sind nun entsprechende Services zu IT-Security, Backup-Lösungen, Collaboration, Speicher und Prozessorleistung verfügbar. Betrieben wird die mächtige Angebotsvielfalt im Fort Knox der Colocationindustrie bei Interxion. Was nun der große Unterschied zu den Services der Vergangenheit ist, erklärt Wachmann: »Hier wurde nicht ASP einfach nur umbenannt, sondern all diese Dienste extrem flexibilisiert.« Biegsamkeit bedeutet für die Unternehmen, Ressourcen und Leistungen jeder Art auf die Session genau im Stundentakt abrechnen zu können. CRM-Funktionalitäten für den Kundenverkehr, die schrittweise über das gesamte Unternehmen ausgerollt werden sollen? Ein paar Praktikanten, die im Sommer für vier Wochen voll ausgestattete Arbeitsplätze benötigen? Kein Problem. »Welches Unternehmen weiß schon, wie sein Geschäft am Ende des Jahres aussieht? Geschweige denn, die IT-Ausgaben für die kommenden fünf Jahre durchplanen zu können – mit Clouddiensten brauchen wir keine Vorausplanungen mehr«, bekräftig de Pauw.Beratung vonnötenDas Angebot an kostenattraktiven und sinnvollen Cloudlösungen wird von Tag zu Tag größer. »Genau diese Unüberschaubarkeit und die vielen ähnlichen Lösungen führen für IT-Verantwortliche in KMU unter Umständen zu einer Situation, wie wenn man in ein Kaufhaus geht, um eine Hose zu kaufen und von dem Angebot an 500 verschiedenen Hosen plus Zubehör völlig erschlagen wird«, vergleicht Tobias Höllwarth, Gründungsmitglied der Branchenplattform EuroCloud Austria. Er rät Unternehmen, sich vor einem Einkauf gut zu überlegen, was der erwartete Nutzen einer Lösung sein soll. »Brauche ich eine Hose für den Winter oder den Sommer, soll sie elegant oder strapazierfähig sein, möchte ich sie täglich nutzen oder einmal im Jahr?«, überlegt Höllwarth. Für ihn ist das Geschäft mit der Wolke vor allem ein Beratungsgeschäft, da Unternehmen zur Beurteilung von IT-Services sowohl ihre eigenen unternehmerischen Leistungen und Prozesse gut kennen als auch die kleinen, feinen Unterschiede zwischen den technischen Offerings erkennen sollten. »Hier sind viele IT-Abteilungen überfordert und durch die Anforderungen des täglichen IT-Betriebs, den es auch aufrecht zu erhalten gibt, betriebsblind. Externe Betreuung macht hier Sinn, um ein anderes Bild zu bekommen.«>> Statements zur Wolke